Tänzer am Abgrund
Januar 2026
Vor einem Jahr registrierte ich um den Jahreswechsel herum Optimismus in der Oppositions-Bubble mit Blick auf das Jahr 2025. Das inspirierte mich zu einer eigenen Prognose, die die Erwartungen allerdings dämpfte. Damit lag ich im Großen und Ganzen richtig.
Ein Jahr später sieht es anders aus. Frau Melonie spricht stellvertretend für die meisten,
wenn sie ihren Mitarbeitern sagt: "Dieses Jahr war hart, 2026 wird noch schlimmer werden".
Fast jeder erwartet für 2026 eine Fortführung des Abstiegs. Viele haben gar das Gefühl,
dass wir in Deutschland und Europa auf einen Eisberg zusteuern - Zusammenbruch der EU, Finanz-Crash,
Pleiten, KI-Job-Massaker oder Krieg. Wer zum Jahreswechsel 2025/26 die Zukunft positiv sieht,
scheint aus der Psychiatrie geflohen zu sein.
Weltbewegende Dinge passieren allerdings selten, wenn sie von den meisten vorher erwartet werden.
In den Neujahrsansprachen und den politischen Bleigießereien wurde nirgends der Mauerfall, 9/11,
die Bankenkrise 2007, Corona oder der Ukrainekrieg angekündigt.
Umgedreht höre ich
seit Jahren, dass der Zusammenbruch des Weltfinanzsystems oder des Dollars, die Insolvenz Europas oder
der Mega-Blackout unmittelbar bevorstehen. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber langsam werde
ich der Ankündigungen und des Preppens müde, obwohl ich die bedrohliche Schieflage nicht
bezweifle. Diese Schieflage ist aber auch den Akteuren bekannt, ebenso wie die schlechte Stimmung.
Bei ihrem Tanz am Abgrund machen die Herrschenden meiner Meinung nach eine viel zu gute Figur.
Denn drei Dinge scheinen ihnen in den Krisenzeiten immer besser zu gelingen:
1. Probleme zu
verschleppen,
2. es nicht zu übertreiben und
3. offensichtliche Skandale gelassen
auszusitzen.
Für die Verschleppung von Problemen gibt es viele Beispiele - Schuldenpolitik, Rentenproblem,
Demografie.
Krasse und höchst fragliche Dinge wie z.B. Impfpflicht, EU-Chat-Kontrolle oder
Russland-Gelder-Klau auf die Tagesordnung zu setzen, dann aber aufgrund des Gegenwinds einen
Rückzieher zu machen, belegt die Vorsicht, nicht zu weit zu gehen.
Und Politikern
ist längst bekannt, dass die schnelllebige Medienwelt dabei helfen kann, augenscheinliche
Skandale in der Flut neuer Nachrichten versinken zu lassen. Was ist eigentlich mit Weimer oder Spahn?
Welche Konsequenzen hat der Laborursprung eines Virus, der laut eigener Statistik Millionen
Menschenleben forderte? Was wird denen passieren, die Milliarden Euro und hunderttausende Tote
für den Sieg gegen Russland gewettet haben? Ich ahne es: nichts.
Und im Gegensatz zu
Herrn Maaßen oder
Herrn Matussek sehe ich im Moment keinen Volksaufstand gegen die
Tänzer am Abgrund. Zwar sind 75% der Deutschen mit Merz unzufrieden, aber der einen
Hälfte davon ist Merz zu links und der anderen ist er zu rechts.
Apropos Volksaufstand:
in Bulgarien gab es 2025 Massendemonstrationen, welche die Regierung zum Rücktritt zwangen.
Von denen, die das feiern, wird meist verschwiegen, dass in den letzten 4 Jahren in Bulgarien 7
Parlamentswahlen statt fanden. Was wie der Aufstand eines unterdrückten Volkes aussah, war
nur ein Symptom der politischen Krise, die durch die Fragmentierung der Lager instabile Regierungen
produziert. Es fehlt eine Kraft, die sich dauerhaft durchsetzen kann. Trotz des Erstarkens des
Rechtspopulismus finden wir diese Krise in vielen Ländern des Westens, auch in den USA. Dort hat im Jahre 2024 zwar etwas mehr als die Hälfte der
Bevölkerung Donald Trump den angekündigten Versuch einer tiefergehenden Veränderung
ermöglicht. Ein Jahr später aber hat er diese Mehrheit den Umfragen zufolge wieder verloren.
Die Frage ist nicht nur in den USA, ob in einem Ping-Pong zwischen progressiven (linken) und
konservativen (rechten) Kräften die Zeit für eine Stabilisierung des Westens endgültig
verspielt wird.
Die Überwindung einer schädlichen Herrschaft wäre einfacher als
die Überwindung der Fragmentierung, der Konfusion und der Resignation.