Besorgte Hambürger
September 2026
Ich wollte es wirklich nicht an die große Glocke hängen und für Publicity ausnutzen, dass in Hamburg zum zweiten Male ein Konzert von mir nicht stattfinden konnte. "Besorgte (Ham)-Bürger" möchten ihre Stadt vor einem Musik-Kasper aus Dunkeldeutschland schützen. Da sich nun aber viele für das Geschehen interessierten und es das ganze Theater bis in die Regionalpresse geschafft hat, veröffentliche ich hier meine Rede an jene, die mich gern in Hamburg gehört hätten.
Liebe Fans, liebe Freunde, liebe Gäste,
es tut mir leid, dass nunmehr zum zweiten Male ein Konzert von mir in Hamburg kurzfristig abgesagt wird. Dieses Mal nehme ich es aber auf meine Kappe. Uschi, die Betreiberin des Cafes hat mir angeboten, an der statt des Konzertes anberaumten Diskussionsrunde teilzunehmen und auch ein paar Lieder zu spielen. Doch zuerst hat mir mein Bauch und nach einer Weile auch mein Kopf gesagt, dass ich davon Abstand nehmen sollte.
Mein Ding ist die Musik. Wer in mein Konzert kommt, will meine Lieder hören, meist auch welche, die er kennt und mitsingen kann. Meine Konzerte sollen Orte des gemeinsamen Frohsinns und der Erbauung sein. Das funktioniert aber nur, wenn mein Publikum aus Leuten besteht, die mich kennen und mögen und nicht aus Leuten, die an meinen Liedern, an meinen Aussagen oder an meinem Umgang Anstoß nehmen und gekommen sind, um zu stören oder zu diskutieren. Kein Musiker will auf der Bühne stehen wie an einer Front und in feindselige Gesichter schauen. Andere Menschen sollen gern andere Meinungen und einen anderen Geschmack haben, aber ein Konzert ist ein Konzert, und eine Diskussion ist eine Diskussion. Dem eigenen nicht stattfindenden Konzert beizuwohnen, ist eine gewisse Schmach, die ich uns allen nicht antuen möchte. Zudem würde meine Teilnahme Kosten verursachen, die ich nicht von einem Publikum erstattet haben möchte, das dafür kein Konzert geboten bekommt.
Ich bin nach Hamburg eingeladen worden von jenen, die mich hören wollen. Nun meinen aber jene, die
mich nicht hören wollen, dass mich jene, die mich hören wollen, in dieser Stadt nicht hören
sollen. Damit ist Hamburg der einzige mir bislang bekannte Ort, wo so etwas funktioniert. Das ist ein
Hamburger Problem. Ich bin Dresdner, wobei Dresden übrigens die Partnerstadt von Hamburg ist. Ich
habe zum Beispiel eine tolle Fangemeinde in der Wahnsinns-Halli-Galli-Stadt Berlin, da spiele ich mehrfach
im Jahr. Auch in Hannover, Leipzig, Frankfurt und in Heidelberg dürfen mich meine Fans live erleben,
ohne dass der Veranstalter bedroht wird. Warum Hamburg hier die einzige Ausnahme ist, weiß ich nicht.
Es hat vermutlich auch nicht wirklich etwas mit mir zu tun. Es geht im Grunde nicht gegen mich. Es geht
gegen Euch, also jene, die zu meinem Konzert kommen wollten.
Es besteht Diskussionsbedarf,
wenn Hamburger anderen Hamburgern das Recht darauf absprechen, einen bestimmten Musiker live hören
zu dürfen, ohne dafür in eine andere Stadt fahren zu müssen.
Aber wie gesagt, da
kann ich nicht mitreden. Das müsst ihr klären, und ich finde die Idee gut, dass ihr das anstelle
meines Konzertes macht, welches entweder gestört worden wäre, unter Polizeischutz hätte
stattfinden müssen oder bei dem Uschi oder mir gar irgend etwas passiert wäre. Gerade am
heutigen Wahlabend könnten bei gewissen Aktivisten die Emotionen hoch kochen. Das Café
könnte früher oder später Zielscheibe von Anschlägen, Boykottaufrufen oder
irgendwelchen anderen wahnsinnigen Aktionen werden. Das wäre ein sinnloser Preis. Auf diesem
Niveau will ich nicht kämpfen.
Ich kenne die genauen Vorwürfe gegen mich nicht.
Ich will sie gar nicht wissen, denn ich habe nicht vor, mich dagegen zu verteidigen. Eine Verteidigung
würde die Anklage rechtfertigen. Es darf aber nicht gerechtfertigt werden, dass eine nicht
legitimierte, vermutlich sogar anonyme Instanz eine Cafe-Betreiberin einschüchtert, eine
Veranstaltung mit mir durchzuführen. Für die Verfolgung illegaler Inhalte ist der
Staat zuständig, nicht die Nachbarschaft. Nur gibt es gegen mich bzw. meine Lieder weder
Anzeigen noch Urteile. Ich erhalte keine Drohmails, auch nicht von der Antifa, nicht mal Mails mit
negativer Kritik. In Dresden wurden schon Lieder von mir von einem linksradikalen Sender gespielt.
Ein Video wurde mal von Youtube gelöscht. Der Grund war, dass ich in meinem Anti-Kriegs-Lied
"Absage" eine Leiche gezeigt habe.
Ich gehöre keiner Partei an und ich mache keinen Wahlkampf für Parteien. Aber ich
weiß, dass sich mein Publikum vor allem aus Wählern und auch aus Mitgliedern der Parteien
AfD, BSW und Basis zusammen setzt, sowie aus überzeugten Nichtwählern. Wenn mich Wähler
oder Mitglieder genannter Parteien zu einem Auftritt einladen, weil ihnen meine Musik gefällt,
habe ich bisher nicht Nein gesagt. Ist das der Vorwurf? Ist es der Vorwurf, dass für meine
Konzerte auch Räume von AfD, BSW und Basis genutzt wurden? Kommt der Vorwurf ausgerechnet von
jenen, die mir in Hamburg alle Räume verwehren wollen? Welcher der drei Parteien stehe ich denn
nun am nächsten? Bei welcher Partei habe ich am häufigsten gespielt?
Dass diese Partei
nicht die AfD ist, wissen die Ankläger nicht, aber sie machen trotzdem Theater. Das ist Kindergarten - kleinste Gruppe.
Manche eher links oder grün orientierte Leute finden meine Lieder erst in dem Moment schlecht,
wo sie erfahren, dass ich schon mal bei der AfD gespielt habe. Und deswegen begründe ich für
Euch jetzt mal, warum ich auch bei der AfD spiele. Ganz einfach: Weil das auch Menschen sind. Sie haben
oft einen schweren Alltag, sie werden nicht gegrüßt, verlieren Jobs, werden in Gaststätten
nicht bedient und bekommen von der Antifa in Hochburgen wie Hamburg das Auto angezündet. Diese
Ausgrenzung steht in keiner Relation zum Parteiprogramm und zum Wesen der allermeisten Mitglieder.
Dennoch oder vielleicht genau deswegen hat sich die AfD als einzige Partei in der Coronazeit dafür
eingesetzt, dass Ungeimpfte keine Ausgrenzung erfahren.
Ja, ich bringe es nicht über's Herz,
den Menschen, die mich und meine Musik mögen zu sagen: "Nein, für Euch spiele ich nicht,
denn Ihr seid AfD." Und vermutlich würden die ja entgegnen: "Ja, das verstehen wir, dass Du Dir
Deinen Ruf nicht mit unsereins schädigen willst."
In welchen menschlischen Abgrund sind wir
bitte gefallen? Selbstverständlich spiele ich auch für Menschen aus der AfD oder ihrem Umfeld -
sofern es sich nicht um Wahlkampf handelt. Weder versuche ich das abzustreiten, noch schäme ich
mich dafür. Auf den guten Ruf bei Menschen, die riefen: "Wir impfen Euch alle!", kann ich verzichten.
Es ist mir eine Ehre, solchen ein Dorn im Auge zu sein.
Schämen würde ich mich
höchstens, bei CDU, SPD oder Grünen gespielt zu haben. Denn im Gegensatz zu AfD, BSW und
Basis stellten und stellen diese Parteien unter Beweis, dass sie ganz schnell die Grundsätze der
freiheitlich-demokratischen Grundordnung außer Kraft setzen, Zensur im Internet ausüben,
Kritiker juristisch verfolgen und massenhafte Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten anordnen.
Vor kurzem erst wurde bekannt, dass die Koalition die Liste der EU-sanktionierten Personen im
Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg ausweiten wird - eine Praxis, die sich durch nichts mehr von der
Willkür eines totalitären Regimes unterscheidet.
Abgesehen davon führt das
Kontaktschuld-Prinzip zu grotesken Situationen, was man zu Corona-Zeiten sehen konnte. Im Jahre 2020
wurde den Querdenkern vorgeworfen, sich nicht genügend von der AfD zu distanzieren. Nachdem die
Querdenker auf diese Weise toxisch gemacht wurden, hat man der AfD 2021 vorgeworfen, sich nicht
genügend von den Querdenkern zu distanzieren.
Und falls ich wirklich ein ganz schlimmer
Finger wäre, möchte ich an einen alten DDR-Witz erinnern, in dem ein Genosse zum anderen
Genossen sagt: "Man müsste Lenin verbieten". Der andere darauf. "Was? Wieso?". "Na dann würde
er endlich mal gelesen werden".
Meint man denn, dass diejenigen, die mich hören wollen,
abschwören und um Vergebung bitten, wenn man mein Live-Konzert in Hamburg verhindert, indem man
eine Café-Betreiberin unter Druck setzt? Geht es hier überhaupt um mich und meine Texte?
Oder geht es um symbolische Aktionen, an denen man sich erbauen kann, weil es eben einfach ist, eine
Café-Besitzerin anonym im Netz zu attackieren?
Die letzte Konzert-Verhinderung habe ich
öffentlich gemacht, und sie ging - für meine Verhältnisse - viral. Das Ergebnis waren
neue Follower und vier andere Auftrittsangebote in Hamburg und Umgebung, und da war das Café
Chrysander gar nicht dabei. Dieses Mal werde ich den Ausfall nicht an die große Glocke hängen,
weil ich selber entschieden habe, einen überflüssigen Kampf nicht zu führen.
Selbst wenn Cancel Culture, Brandmauer, Kampf gegen Rechts usw. legitime demokratische Mittel der Willensbildung bzw. der Willensdurchsetzung wären, müssen sich die Aktivisten fragen, was diese seit Jahren oder Jahrzehnten angewandte Praxis gebracht hat. Ich würde sagen: das exakte Gegenteil. Auch wenn man der AfD ablehnend gegenüber steht, muss man doch erkennen, dass sie gehörig davon profitiert, wenn ihre Gegner mit Schaum vor dem Mund schmutzige Kampfmethoden anwenden und damit trotz beeindruckender Erfolglosigkeit immer weiter machen. Die AfD erhält die Stimmenzuwächse nicht von Linken, die aus Versehen bei einem Yann-Song-King-Konzert gelandet sind, weil es Hamburgs Antifa oder der StuRa nicht verhindert hat. Die AfD erhält die Stimmen von Leuten, die sehen, zu welch peinlichen Aktionen die hysterischen AfD-Gegner in ihrer Paranoia fähig sind, und natürlich auch, wohin die No-AfD-Brandmauer-Einheitspartei das Land steuert.
Ich bin kein Aktivist, aus meiner Sicht mache ich Kleinkunst, man könnte es Musikkabarett nennen.
Ich bin damals zu Beginn der Corona-Zeit nicht davor zurück geschreckt, Partei für das zu
ergreifen, was ich als menschlich geboten empfand. Fast alle anderen Musiker hätten mir davon
abgeraten, das zu tun. Noch dazu weil ich mich einer Minderheit anschloss. Ich bin mir bewusst, dass
man mit größtenteils politischen Themen zwangsläufig der Vereinnahmung durch Bewegungen
und Organisationen ausgesetzt ist. Irritationen, Widerspruch, Konflikte und Probleme muss ich aushalten
und auch den Umstand, dass die Durchführung eines Konzertes in Hamburg eben nicht so einfach ist.
Hamburg will offenbar die letzte Bastion der weltweit absterbenden Cancel Culture und des linksliberalen
Hoheitsanspruchs sein.
Ich bin kein Prophet, wenn ich behaupte, dass ich dennoch demnächst
oder irgendwann in Hamburg spielen werde. Es geht mir dabei nicht um den Sieg gegen jene, die mich
verhindern bzw. ihre Mitbürger überwachen und terrorisieren wollen. Es geht mir um jene,
die mich hier in ihrer Heimatstadt hören wollen. Das ist ihr Recht. Und es ist unsere gemeinsame
Pflicht, dieses Recht zu verteidigen gegen den Versuch, Veranstaltungen unter welchem Vorwand auch
immer zu verhindern und damit eine nicht legitimierte Hoheit über die Konzerträume auszuüben.
Ich danke für die Aufmerksamkeit und wünsche eine fruchtbare Diskussion,
Euer Yann.
Zurück zur Blog-Übersicht