Christlinksgrüner Nach-Merz
Oktober 2026
Die "Mehrzweckhallen" sind voll in Deutschland. Aber was käme nach Friedrich Merz und der
großen Koalition? Ich will niemandem Angst machen, aber wenn es mit der CDU weiter bergab geht,
dann ist nach meiner Berechnung der nächste Kanzler ein Grüner.
Tagespolitische Lieder haben kurze Beine, vor allem wenn darin Namen von Politikern vorkommen.
Manche solcher Lieder habe ich zwei Wochen gespielt, manche nur ein Mal. Songs zu politischen
Personalien funktionieren wie Versicherungsscheine - entweder das Publikum ist dankbar für
die Aktualität oder die Person ist nicht mehr in Amt und Würden.
Deswegen das
ironische Bekenntnis: Fritze Merzens starrsinniges Festhalten am Kanzlerposten kommt mir gelegen.
So kann der Song "Mehrzweckhalle" noch eine Weile laufen und mehr Clicks und Spaß erzielen.
Ich habe aber keinerlei Verbindungen ins Kanzleramt, diesem Interesse Nachdruck zu verleihen.
Ironie Off.
Das Scheitern von Friedrich Merz als Kanzler scheint für ihn ein persönlicher
Zusammenbruch zu sein. Es wäre der endgültige Beleg für das, was ihm Frau Merkel
tief kränkend vor Jahren schon zu verstehen gab: er kann es nicht und keiner mag ihn.
Doch was soll nach Merz passieren?
Um diese Frage richtig zu beantworten, muss man mit einer m.E. falschen Annahme brechen. Es
ist die Annahme, dass es ohne die Brandmauer eine sogenannte bürgerlich-konservative, also
eine schwarz-blaue Mehrheit gibt. Diese Mehrheit gibt es auf dem Papier. In Wirklichkeit aber
treibt die Brandmauer die CDU-Wählerschaft auseinander. Die einen wollen mit der AfD, die
Mehrheit aber will es nicht. Die Stimmenverluste der CDU seit der Bundestagswahl dürften
bisher vor allem durch die Abwanderung jener Wähler zu erklären sein, die der AfD näher
standen und die sie mittlerweile wählen. Deswegen ist zu vermuten, dass die Brandmauer-Mehrheit
in der Wählerschaft nicht schrumpft.
Angenommen, dass jenes im Juni 2026 ermitteltes
Anti-Brandmauer-Drittel der CDU-Wähler peu à peu komplett zur AfD abwandert: Dann wäre
die CDU bundesweit noch bei 15%. Dies würde der auf 35% gewachsenen AfD immer noch nicht für
jene vielbeschworene bürgerlich-konservative Mehrheit reichen.
Die vor sich hin schmelzende CDU ist eine Brandmauer-CDU, deren verbliebene Wähler das
Zusammengehen mit Rot, Grün oder gar Dunkelrot akzeptieren. Rechnet man die aktuellen
Bundestagswahl-Umfragen zusammen, hat Schwarz-Rot-Grün (Christlinksgrün) eine stabile Mehrheit.
Das aktuelle CDU-Bashing aller Medien, ausgelöst von den Landtagswahlergebnissen, dem
wankenden Kanzler und vielleicht auch der ZDF-Doku "Inside CDU", wird nicht zur Folge haben, dass
die CDU in Kürze bundesweit bedeutungslos ist. Durchaus denkbar ist aber, dass sich die CDU
prozenttechnisch den Grünen nähert. Wenn für die Konsumenten des betreuten Denkens die CDU
wie ein sinkendes Boot erscheint, könnte so mancher auf das naheliegendste Boot umsteigen. Und
das wären die Grünen. Wenn diese z.B. mit einem Herrn Özdemir ein bildungsbürgerliches
Gesicht zeigen, könnten in ein paar Monaten die Grünen nach Neuwahlen Anführer einer
Kenia-Koalition sein. Eine geschrumpfte und mit dem Brandmaurer-Mandat versehene CDU wäre für
die Anti-AfD-Einheits-Front ein angenehmer Partner. Die Republik würde in eine im Moment wohl eher
unerwartete Richtung gehen. Grün-Schwarz-Rot.
So wie das jugendliche linke Lager bei der Bundestagswahl 2025 in kurzer Zeit von grün auf links
schwenkte, könnte es bei Bundestags-Neuwahlen auch schnell wieder zurück schwenken. Zum
Beispiel wenn klar werden würde, dass ein grüner Kanzler in Aussicht ist.
Es gibt
Fußballspiele, bei denen die eine Mannschaft gut im Spiel ist, die andere aber das Tor macht.
Die Erfolge der AfD im Osten suggerieren einen bürgerlich-konservativen Machtwechsel auf Bundesebene.
Nur ist dieser wie das Tor der Mannschaft am Drücker, das aber nicht fallen will. Die Zahlen und
Umfragen sagen, dass der Machtwechsel nicht nach rechts sondern nach links ausfallen würde. Drei
populäre Länderchefs stehen sinnbildlich für die neue Brandmauer-Mitte in einer
denkbaren Post-Merz-Zeit. Wüst für die CDU, Özdemir für die Grünen und
Schwesig für die SPD.
Ich will niemanden auf dumme Ideen bringen, aber Demokratie ist eine
Mehrheits-Veranstaltung. Und die Mehrheit im Lande ist im Augenblick christlinksgrün.